Rückblick auf die Tagung zum Vogel des Jahres 2024
Der Kiebitz brütet sowohl auf feuchtem Grünland als auch auf Ackerflächen und ist damit eine Charakter- und Indikatorart für die offene Agrarlandschaft. Umso gravierender ist sein Rückgang um 93 % in den letzten 40 Jahren zu bewerten.
Um sich über den Schutz des Kiebitzes auszutauschen, trafen sich etwa 180 Expert*innen aus Ehrenamt, Behörden und der Wissenschaft am 16. und 17. November an der Bremer Universität. Die Teilnehmenden kamen aus ganz Deutschland. Sie diskutierten sowohl über bestehende und neue Herausforderungen, erfolgreiche Schutzansätze als auch Forderungen für den Kiebitzschutz an die Politik.

„Mit großem Aufwand wurden in den letzten Jahrzehnten Maßnahmen zum Erhalt der hochbedrohten Wiesenvögel, zu denen auch der Kiebitz zählt, umgesetzt. Obwohl ein breites Wissen zu geeigneten Maßnahmen vorliegt, konnte der Rückgang dieses Charaktervogels bislang nicht gestoppt werden. Wir benötigen den gesellschaftlichen Willen und die politischen Instrumente, um den Kiebitzschutz auf breiter Fläche voran zu bringen“, sagte Jörg-Andreas Krüger, NABU-Präsident.
Während der Tagung stellten Expert*innen aus Wissenschaft und Verwaltung geeignete Schutzkonzepte und ihre Erfahrungen im Kiebitzschutz aus den letzten Jahren vor. Es wurden sämtliche Aspekte des Kiebitzschutz beleuchtet, unter anderem Schutzkonzepte zur Lebensraum(wieder)herstellung, Schutz vor Prädatoren, Wasserhaltemaßnahmen auf den Flächen oder den Einsatz neuer Technik zur Gelegesuche. Es wurde deutlich, dass die Bemühungen in Schutzgebieten, insbesondere in EU-Vogelschutzgebieten, mit höherer Konsequenz umgesetzt werden müssen. Vor allem, da Schutzmaßnahmen in Schutzgebieten keine Gewähr für den Erhalt der Art in ganz Deutschland bieten. Da der Kiebitz als Kulturfolger und Wiesenvogel auf eine Nutzung der Flächen angewiesen ist, ist es wichtig kooperativ mit der Landwirtschaft zusammenzuarbeiten. Nur so können dauerhaft die Bestände von Kiebitz und anderer Agrarvögel in Schutzgebieten und der Normallandschaft geschützt werden. Den Organisator*innen der Tagung war es wichtig herauszustellen, dass es eine über das bisherige Maß hinausgehende gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung für Landwirt*innen geben muss, die sich am Schutz dieser Art beteiligen.
Fast die Hälfte der Teilnehmenden an der Tagung vertieften ihre Diskussion am zweiten Tag bei einer Exkursion in ein bedeutendes Wiesenvogelgebiet, das Bremer Blockland. Hier wurden Hilfsmaßnahmen zum Wiesenbrüterschutz besichtigt und Erfahrungen mit den dortigen Akteuren des Schutzprojektes ausgetauscht. Landwirtschaft, Jägerschaft und Naturschutz haben im Blockland ein erfolgreiches Kooperationsmodell entwickelt und arbeiten seit 20 Jahren ambitioniert zusammen.
