Geeignete Lebens- und Rückzugsräume finden und schützen: Das ist die Hauptaufgabe des NABU-Projekts „KiebitzLand – Hier wächst die Artenvielfalt“. Innerhalb der fünfjährigen Projektlaufzeit von 2024 bis 2029 entstehen landesweit zwölf Kerngebiete für den Kiebitz. Diese Flächen bieten den Tieren optimale Lebensbedingungen, so dass sie erfolgreich brüten und sich in der Agrarlandschaftausbreiten können. Zusätzlich wird es Kiebitzinseln geben, im Umfang von insgesamt bis zu 60 Hektar. Auf allen Projektflächen beschützen mobile Elektrozäune die brütenden Vögel und ihr Gelege während dieser sensiblen Zeit.
Im Frühjahr 2026 sind bereits fünf Kerngebiete und elf Inseln etabliert. Auf den zwischen einem und acht Hektar großen Flächen gibt es in den Kerngebieten Blänken und teilweise eine extensive Rinder-Beweidung. Bäume und Sträucher wurden, wenn möglich, entfernt, da sie Greifvögeln als Ansitzwarte dienen.
Um Kerngebiete und Inseln zu attraktiven Kiebitz-Lebensräumen zu entwickeln, braucht es engagierte Menschen. Das Projekt „KiebitzLand“ setzt daher auf eine enge Zusammenarbeit mit den Landwirtinnen und Landwirten. Ihre Bereitschaft zu einer naturverträglicheren Bewirtschaftung ihrer Flächen ist der Schlüssel für den Schutz des Kiebitzes, aber auch anderer stark gefährdeter Arten des Offenlandes, wie Rebhuhn, Braunkehlchen und viele Amphibienarten. Das kann bedeuten, auf die Entwässerung einer Fläche zu verzichten oder sie ackerbaulich verändert zu nutzen. Als Gegenleistung erhalten die Landwirtinnen und Landwirte im Rahmen des Projekts eine Entschädigung für ihren Ertragsausfall.
Gebietsbetreuerinnen und -betreuer sind rund um die Kerngebiete und Kiebitzinseln im Einsatz. Sie kontrollieren die Zäune und Nestschutzkörbe und zählen die Tiere. Dadurch arbeiten Landwirtschaft und Artenschutz Hand in Hand, um dem Kiebitz und anderen bedrohten Arten Lebensraum zu bieten. Dieses System der partnerschaftlichen Landwirtschaft soll langfristig nach Projektende in das Agrarfördersystem des Landes Baden-Württemberg übernommen werden. Denn die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Artenschutz ist entscheidend, um das KiebitzLand zu gestalten.
Im Jahr 2025 gab es in den neu gestalteten Kerngebieten in Ammerbuch (Landkreis Tübingen) und Sauldorf (Landkreis Sigmaringen) bereits erste Erfolge: Während in Sauldorf im 6,5 Hektar großen Kerngebiet mindestens elf Jungvögel flügge wurden, kehrte erstmals seit 30 Jahren ein Brutpaar zurück nach Ammerbuch.
Das landesweite Projekt „KiebitzLand“ wird durch das Umweltministerium Baden-Württemberg im Rahmen der Artenschutzoffensive des Landes gefördert und von der Naturschutz- und Landwirtschaftsverwaltung sowie von den Landschaftserhaltungsverbänden unterstützt.
Weitere Informationen auf den Seiten des NABU Baden-Württemberg.
