Home Forum Schutz Ackerland – Kükenschutz

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    Anne Rogge
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    Der Schutz von Gelegen des Kiebitz auf Acker ist eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt dieser Art, die schon seit längerer Zeit Ackerstandorte zunehmend als Ersatzhabitat nutzt. Aber auch der gezielte Schutz der Küken ist dringlich, da sie sowohl durch Prädation, als auch späte Bodenbearbeitung (besonders auf Maisflächen), Nahrungsmangel, Mahd der Wiesenflächen (als Durchgangsrevier) und Bodenbearbeitung durch Hacken und Striegeln bedroht sind. Ein in der Nähe des Brutstandorts gelegenes Gewässer mit seichten Uferrändern und schlammigen offenen Bodenbereichen würde ein passendes relativ ungestörtes Habitat für eine Kiebitzfamilie darstellen. Da das eher die Ausnahme ist, wird daher in Folgendem von Erfahrungen im Kükenschutz mit wöchentlich wiederholter Bodenbearbeitung (Striegeln und Hacken der Maisfrucht) aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg berichtet, um eventuell daraus zukünftige Vorgehensweisen abzuleiten.

    Mais wird in der Regel je nach Witterung zwischen Mitte April und Mitte Mai ausgebracht, da er eine Bodentemperatur zwischen 10° bis 15° benötigt, um gut auszulaufen. Je wärmer der Boden, umso besser läuft er aus. Außerdem sind die kleinen Maispflanzen frostempfindlich. Da die Brutzeit der Kiebitze von Anfang März bis Juni verlaufen kann, mit einer Hauptlegezeit der Erstbrut ab Anfang April bis Mitte April, kollidiert die bodenbearbeitende Bewirtschaftung im Maisanbau mit möglichem Brutvorkommen vom Kiebitz (Erstbruten) und kann auch mit dem Schlupf von Jungvögeln und der Kükenführung zusammenfallen. Die Bewirtschaftung verläuft wie folgt: Entweder wird im Herbst gepflügt und im Frühjahr gegrubbert, sobald die Flächen trocken genug sind oder es wird ab Ende März (vorzugsweise Mitte/Ende April) gepflügt oder gegrubbert; auf sandigen trockeneren Böden kann eine erste Bodenbearbeitung auch schon ab Januar erfolgen. Organischer Dünger oder Gärsubstrat wird mit dem Pflügen in den Boden gebracht. Der Mais wird je nach Witterung zwischen Mitte April und Mitte Mai gedrillt und anschließend gewalzt. Im konventionellen Anbau werden dann je nach Strategie (Untersaat, Greening) ein oder zwei Mal Herbizide gespritzt. Beim Anbau von Biomais wird etwa 14 Tage nach Aussaat jede Woche einmal gestriegelt, bis der Mais fünfblättrig und etwa 15 bis 20 cm groß ist. Dann wird jede Woche gehackt, bis der Mais eine Länge von 40-50 cm erreicht hat.

    Bei der wöchentlichen Boden-Bewirtschaftung eines Maisackers (Striegeln/Hacken) mit gleichzeitigem Kiebitz-Kükenführungsrevier (zeitweise ein bis drei Familien) wurden folgende Erfahrungen gesammelt:

    Auf dem etwa 2,02 ha große Acker wurde bei der ersten bis dritten Bewirtschaftung (Striegeln/Hacken) ein Randbereich unbearbeitet gelassen, in welchen die Küken sich zurückzogen. Aufgrund der vorherigen Lokalisierung der Küken wurde von der entferntesten Stelle die Bearbeitung angefangen und ein frontales Zufahren auf die Küken vermieden. Sie befanden sich nahe der einen Längsseite und so bewegte sich der Traktor von der anderen Längsseite her in Schrittgeschwindigkeit immer dichter an den Aufenthaltsbereich der Küken heran. Ein zu dichtes Heranfahren an die Küken wurde vermieden, da diese schwer einschätzen können, dass am Traktor noch ein breiterer Striegel anhängt und sie eventuell nicht schnell genug aus dem Gefahrenbereich heraus kommen. Zudem wurden während einer Bearbeitung die Küken vom Weibchen vor dem Traktor auf die bearbeitete Seite gelockt, so dass der Traktor anhalten musste. Ein angrenzender stehen gelassener Grünlandstreifen von zehn Meter Breite bewährte sich als Rückzugsraum für die Küken. Dass Küken bei Gefahr in höher stehende Vegetation gehen, wurde auch auf anderen Flächen beobachtet. Bei der vierten Bearbeitung konnte der ganze Acker gehackt werden, da die schon fast flüggen vier Kiebitze in den Grünstreifen gingen und nur ab und zu herauskamen. Sie ließen den Traktor auf wenige Meter an sich heran. Die Störung war durch das stundenlange (durchschnittl. 6 km/h) und häufige Befahren groß und gerade im Mai, wo noch kalte Tage vorkommen, müssen die ganz jungen Kiebitze gehudert werden, was durch die Störung eventuell nicht ausreichend gewährleistet ist. Das Prädationsrisiko schien durch die Bearbeitung im Gegensatz zu Flächen, die gepflügt wurden, nicht wesentlich erhöht worden zu sein.
    Betroffene Landwirte sollten auf ein Vorkommen von Kiebitz-Küken auf ihrer Fläche aufmerksam gemacht und bei der ersten Fahrt begleitet werden. Da der Traktor relativ dicht an die Küken heran kommt, also kein Fernglas nötig ist (und beim Fahren auch nicht benutzbar), kann auch bei weiteren Bearbeitungsschritten z.B. ein interessiertes Familienmitglied mitfahren und dem Fahrer berichten, wo sich die Küken gerade aufhalten und ob die Hackmaschine zu dicht kommen könnte. Oberstes Ziel aber sollte sein, dass die Kiebitzfamilien in ihren Kükenführungsrevieren ungestört sein können!

    Während der bodenbearbeitenden Bewirtschaftung (Pflügen, Maislegen) einer konventionellen Maisfläche mit drei Kükenführungsrevieren, konnten folgende Erfahrungen gesammelt werden:
    Mit taktisch klugem Fahrweg, konnten auch die kleineren Küken in die richtige Richtung gedrängt werden. Auf keinen Fall sollte frontal auf die Küken zugefahren werden! Da häufig erst mehrere Bahnen außen herum bearbeitet werden, sind randlich sitzende Küken besonders gefährdet und sollten vorher lokalisiert werden. Bei sich randlich aufhaltenden Küken wird am besten von der genau entgegengesetzten Seite mit der Bearbeitung angefangen. Wird der Acker an einem Tag nur zur Hälfte bearbeitet, kann es vorkommen, dass die Küken danach auf die bearbeitete Fläche geführt werden, da dort Nahrung besser erreichbar ist. Am nächsten Tag kann dann die andere Hälfte ohne Kükenaufenthalt gepflügt, gegrubbert werden. Dadurch wird zwar häufiger gestört, die Küken müssen aber gerade Anfang Mai noch gehudert werden, was bei kurzer Bearbeitung dann eher wieder möglich wird.
    Beim Maislegen kann es schwierig sein auszuweichen und strategisch Kiebitz gerecht zu fahren. In diesem Fall wurde das Fangen von Küken ausprobiert. Am nähsten kommt man als Beifahrer an die Küken heran. Hudernde Weibchen verraten den Aufenthalt, zumindest solange der Traktor weit genug weg ist (hier > 30 m). Bei jeder Runde werden die Küken durchgehend im Auge behalten. Ist der Traktor nur noch eine Bahn entfernt, springt der Beifahrer vom Traktor und geht auf die Küken zu, die wegrennen und sich dann relativ schnell ducken. Es ist schwierig, mehrere Küken gleichzeitig im Auge zu behalten und deshalb ist eventuell eine weitere Runde nötig, um den dann sich bewegenden jungen Kiebitz wieder zu entdecken und einzufangen. Wärme (Wärmflasche im Eimer) ist wichtig, während die Küken darauf warten, dass sie am entnommenen Platz wieder ausgesetzt werden. Die Weibchen rufen lange und intensiv nach ihren Küken und finden sie relativ schnell wieder. Es wird vermutet, dass sie auch nach einer Stunde der Bearbeitung zur Fläche zurückkommen, sobald die Störung vorüber ist und ihre Küken rufen.

    Die Störung ist enorm, riskant und beim Pflügen (so auch beim Grubbern) werden Prädatoren angelockt. Ein Einfangen der Küken ist auch aufgrund der Störung und wegen des Aufwands eher nicht zu empfehlen, lässt sich aber wohl nicht immer oder ohne finanziellen Ausgleich für eine Verzögerung oder einen Ausfall einer Bewirtschaftung vermeiden. Außerdem können die Küken zumindest während der Bearbeitung den angelockten Prädatoren so weniger zum Opfer fallen.
    Wenn möglich, sollten die Landwirte beraten werden, dass sie mindestens das Pflügen/Grubbern vor dem Schlupf abgeschlossen haben. Daher ist es gut zu wissen, wann ein Kiebitz angefangen hat zu brüten, um den potenziellen Schlupftermin zu ermitteln und den betroffenen Landwirt darauf hinzuweisen. Eventuell kann auf das sich an das Maisdrillen anschließende Walzen verzichtet werden. Beim Einsäen von frostempfindlichem Mais ist eine Aussaat oft erst Anfang, Mitte Mai erwünscht, bzw. möglich, weshalb eine Kollision mit dem Kükenschlupf häufig unvermeidbar ist.

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Antwort auf: Ackerland – Kükenschutz
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